Interview
Vorräte anlegen – klingt altmodisch? Ganz und gar nicht.
Ob ein Stromausfall wie kürzlich in Berlin, oder extreme Wetterlagen: Situationen, in denen man für einige Tage auf sich gestellt ist, kommen vor. Dann zählt, was zuhause im Schrank steht.
Doch nicht jeder hat viel Platz, Zeit oder Erfahrung mit Vorratshaltung. Ernährungsexperte Marcel Lorz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg erklärt, wie alltagstaugliche Vorsorge gelingt – auf dem Bauernhof ebenso wie in der Mietwohnung.
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© BMEL, KoHW
Ernährungsvorsorge betrifft alle Haushalte. Die Einkaufsgewohnheiten haben sich stark verändert; viele Menschen kaufen häufiger und in kleineren Mengen ein und sind damit stärker von funktionierenden Lieferketten abhängig. Ein kleiner Vorrat schafft Unabhängigkeit und Sicherheit – egal, ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt. Dabei geht es nicht um große Mengen oder aufwendige Selbstversorgung, sondern darum, für einige Tage unabhängig zu bleiben. Neben Lebensmittelvorräten sollten für den Notfall auch hilfreiche Utensilien wie Kurbelradio, Taschenlampe, Batterien, Powerbank, Kerzen und Feuerzeug, warme Kleidung und Decken, Camping-Kochgeschirr, Hygieneartikel und eine gut sortierte Hausapotheke griffbereit sein.
Nicht alle haben die Zeit, das Wissen oder die familiäre Tradition des Einkochens. Wie kann Ernährungsvorsorge auch ohne große Küchenpraxis funktionieren?
Vorsorge lässt sich unkompliziert umsetzen. Der Handel bietet eine große Auswahl an haltbaren Lebensmitteln, die ohne besondere Küchenpraxis zubereitet werden können. Wer Lebensmittel auswählt, die im Alltag ohnehin genutzt werden, sie regelmäßig verbraucht und beim nächsten Einkauf ersetzt, baut ganz automatisch einen Vorrat auf – ohne zusätzlichen Aufwand.
Was empfehlen Sie Menschen mit wenig Stauraum: Wie lässt sich auch in einer kleinen Küche sinnvoll und überschaubar vorsorgen?
Selbst in kleinen Küchen ist eine sinnvolle Vorratshaltung möglich. Oft reicht ein Regalboden, eine Schublade oder eine Kiste aus. Entscheidend ist eine überschaubare Auswahl an vielseitig einsetzbaren Produkten und der regelmäßige Überblick über vorhandene Be-stände. So bleibt die Vorsorge alltagstauglich und passt sich den individuellen Platzverhältnissen an.
Welche haltbaren Lebensmittel sind aus hauswirtschaftlicher Sicht besonders sinnvoll, weil sie vielseitig einsetzbar und leicht zuzubereiten sind?
Aus hauswirtschaftlicher Sicht eignen sich vor allem Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Haferflocken oder Couscous sowie haltbare Zutaten wie Hülsenfruchtkonserven, lagerfähiges Gemüse und passierte Tomaten. Ergänzt man diese durch Produkte wie H-Milch, Speiseöle, Nüsse, Knäckebrot oder haltbare Aufstriche, lassen sich daraus schnell und unkompliziert vielfältige Mahlzeiten zubereiten. Auch Vorräte wie Thunfisch in der Dose, Gemüse- und Obstkonserven, Trockenobst, Kekse, Pesto sowie fertige Suppen oder Eintöpfe im Glas oder in der Dose sind sinnvoll, da sie lange haltbar, flexibel kombinierbar und ohne großen Vorbereitungsaufwand verwendbar sind. Ebenso wichtig ist ein ausreichender Trinkwasservorrat.
Generell sollten bevorzugt Lebensmittel gewählt werden, die keine Kühlung benötigen und nicht gekocht werden müssen. Dabei gilt es, persönliche Essgewohnheiten und Allergien zu berücksichtigen sowie gegebenenfalls auch Vorräte für Kleinkinder und Haustiere einzuplanen.
Generell sollten bevorzugt Lebensmittel gewählt werden, die keine Kühlung benötigen und nicht gekocht werden müssen. Dabei gilt es, persönliche Essgewohnheiten und Allergien zu berücksichtigen sowie gegebenenfalls auch Vorräte für Kleinkinder und Haustiere einzuplanen.
Von großem Hof bis zur kleinen Mietwohnung: Was ist aus Ihrer Sicht für alle die wichtigste Botschaft für eine gelungene Ernährungsvorsorge?
Ernährungsvorsorge sollte als Teil eines verantwortungsvollen Alltags verstanden werden. Sie ist kein Zeichen von Unsicherheit oder Krisenangst, sondern von Umsicht und Selbstverantwortung. Da die Lebensrealitäten sehr unterschiedlich sind, sollte Vorsorge flexibel und individuell gestaltet werden – angepasst an Platz, Zeit und persönliche Bedürfnisse.
Tipp
Mit dem Vorratskalkulator auf der Internetseite „Ernährungsvorsorge“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat können Sie Ihren persönlichen Vorrat berechnen. Es handelt sich um allgemeine Empfehlungen, die gegebenenfalls an die individuellen Ernährungsbedürfnisse angepasst werden müssen. Außerdem gibt es auf der Seite eine praktische Vorratstabelle, auch für die vegetarische Ernährung.
Herr Lorz, herzlichen Dank für das Interview!

